Was kritische Theorie gewesen sein wird: Moderne Selbstreflexion oder Postmodernekritik?

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Schreull (AG Kritische Theorie am Graduiertenzentrum der Philipps-Universität Marburg) und Jan Müller (Universität Darmstadt.

19. Mai 2013, 20 Uhr. Ort: Golem, Große Elbstraße 14, Hamburg.

Man hat sich daran gewöhnt, dass Kritische Theorie irgendwie gleichbedeutend geworden zu sein scheint mit „Postmodernekritik“. Deshalb wundert man sich kaum noch, wenn verblüffend vielseitige Vorschläge unter dem Sammeltitel „Die Postmodernen“ wegsortiert werden; und auch nicht, wenn man ihnen mit einem – mitunter groben – Irrationalismusverdacht begegnet. Mit einem Eifer, der bei kritisch Denkenden eigentlich (zumindest ihrem Selbstverständnis nach) Irritationen provozieren sollte, werden solche Vorschläge dabei typischerweise so inquisitorisch befragt, dass bereits feststeht, was man in ihnen findet: eine Abkehr von der Idee moderner Zivilisation, revisionistische Geschichtsbetrachtungen, Gesellschaftsvergessenheit, kurz: Relativismus und Skeptizismus. Das ist alles nicht neu und wäre nicht weiter bemerkenswert (immerhin kursieren solche ideologiekritischen Zuschreibungen seit mindestens 30 Jahren) – würde die immergrüne Postmodernekritik nicht selbst Formen kritischer Theorie vereinen, die sich wechselseitig durchaus absprechen, überhaupt noch kritische Theorie zu sein.

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„Wenn die Stunde es zulässt…“ – Vortrag in Marburg

cranach-kids Vortrag und Diskussion der AG Kritische Theorie am Graduiertenzentrum der Philipps-Universität Marburg.

22. Januar 2013, 20 Uhr. Ort: Technologie- und Tagungszentrum Südseite, Software Center 3, Marburg.

Kritische Theorie kennt nur einen wirklichen Zweck: die Krise. Sie ist nicht nur eine weitere Interpretation der Welt, sondern sie will Moment ihrer Veränderung sein. In ihr wird dann so gedacht, gesprochen und gehandelt, dass die Welt eine andere geworden sein wird. Daran ist kritische Theorie immer wieder gescheitert. Daher kann sie nicht nur an der Krise der Welt interessiert sein, sondern muss auch ihre eigene produzieren, sich selbst als solche ereignen. Weiterlesen…

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Online-Publikation – Extended Version – Claus Baumann: Die Kunst der Avantgarde und ihr Verhältnis zum Klassenkampf

Walter Benjamins, Theodor W. Adornos und Guy Debords kritische Reflexionen der Kunst.

Download: Baumann-Kunst-Klassenkampf-Extended-Version-2013

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Westfälisches Dampfboot.

Ohne die Begrenzung des gedruckten Papiers konstelliert Claus Baumann die Überlegungen Adornos, Benjamins und Guy Debords zum Verhältnis von Kunst und Politischem.

Eine gekürzte Version dieses Artikels ist gedruckt erschienen in:
Malte Völk/Oliver Römer/Sebastian Schreull/Christian Spiegelberg/Florian Schmitt/Mark Lückhof/David Nax (Hg.): „… wenn die Stunde es zuläßt.” Zur Traditionalität und Aktualität kritischer Theorie. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 2012, S. 315-354.

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Der Sammelband zur Konferenz ist erschienen!

Im November 2012 erschien der Sammelband zur Konferenz beim Verlag Westfälisches Dampfboot.

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Beginnt die Geschichte kritischer Theorie mit einer Abgrenzung von traditioneller Theorie, so kann dieses Denkmodell inzwischen selbst als eine Art Tradition gelten. Dass diese Tradition eine beständige Aktualisierung fordert, erzeugt eine Spannung, aus der sich der Sammelband speist: In dem von kritischer Theorie Überlieferten wird Unabgegoltenes aufgespürt, an der Aufschließung neuer Gegenstände ihre Lebendigkeit erwiesen.

Der Selbstanspruch kritischer Theorie ist folgenreich: Will sie eine Verbindlichkeit des Denkens aufrecht erhalten, ohne dabei von einem gefestigten Theoriekorpus auszugehen, so kann auch die eigene Tradierung sie nicht beruhigen. Fordert doch gerade die Tradition dieses Denkmodells eine beständige Aktualisierung, die ihre Mittel, Gegenstände und Zwecke am Gegenwärtigen prüft, ob es auch getroffen wird.
Der Band versammelt Versuche, die die Geschichte der kritischen Theorie nach Veraltetem oder Unabgegoltenem befragen, die an unerschlossenen Gegenständen ihre Potentiale erproben. Dies bedeutet nicht nur, die Grenzen der unterschiedlichen Wissenschaften zu irritieren, ‚Neues‘ mit der Tradition kritischer Theorie zu konfrontieren, sondern auch das ‚Alte‘ kritischer Theorie, sei’s die Hegel’sche Logik, sei’s Marxens Kritik der politischen Ökonomie, am Gegenwärtigen zu lesen. Es zeigt sich, dass gerade diese Dialektik von Traditionalität und Aktualität zu einer treffenden und umfassenden Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse drängt. Und weil gleichzeitig diese gesellschaftlichen Verhältnisse immer wieder die Kritik neu herausfordern, kann diese Kritik keine Einheit, noch einheitlich sein: Der Streit darum, was kritische Theorie ist, darf nicht geschlichtet werden.

Mit Beiträgen von: Claus Baumann, Frank Benseler, Alex Demirović, Alexander García Düttmann, Cornelia Klinger, Christoph Menke, Jan Müller, David Salomon, Ruth Sonderegger, Michael Städtler, Michael Weingarten, Christine Zunke u.a.

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