Mit dem 100. Geburtstag von Heinz Maus ist der Anlass für diese Konferenz ein eher randständiger, der kaum jemandem ein Begriff sein dürfte. Ausgehend vom Werk dieses vergessenen Intellektuellen – und seinen Verknüpfungen mit der kritischen Theorie – soll jedoch auf den Kern dieser theoretischen Praxis gezielt werden.
Der Versuch, positiv zu bestimmen und einzugrenzen, was kritische Theorie ist oder sein kann, würde dem Anliegen dieses Denkmodells widerstreben. Doch verlaufen seine Traditionslinien keinesfalls willkürlich. Vielmehr laden sie zu der Frage ein, wie sich in Auseinandersetzung mit diesem Erbe heute eine Reflexion von Gesellschaft betreiben lässt, wie sich kritische Theorie von den hegemonialen Denkmodellen des Wissenschaftsbetriebs unterscheidet und was sie zu etwas machen könnte, was nicht nur der Musealisierung widerspricht, sondern eine andere Theorie der Praxis, und damit auch: eine andere Praxis der Theorie darstellt und fordert. Diese Frage ist nicht neu, verlangt jedoch immer wieder neue Antworten und Justierungen, die stets wiederum nur vorläufige sein können.
Dieser wesentlichen Frage, die sich vornehmlich als die nach dem Verhältnis von Traditionalität und Aktualität kritischer Theorie stellt, soll hier erneut nachgegangen werden. Daher werden Überlegungen zu jenen Traditionen eine Rolle spielen, in denen sich kritische Theorie begriffen hat oder begreift, etwa die Hegel’sche Philosophie oder Marxens Kritik der politischen Ökonomie. Auch Traditionalisiertes, wie die Sprachphilosophie Benjamins oder der Begriff der Kulturindustrie, wird auf neue Möglichkeiten der Aktualisierung hin befragt werden. Mit Blick auf dieses Erbe sollen schließlich jene Gegenstände Thema sein, die gegenwärtige Ansätze kritischer Theorie auf das Tableau gebracht haben: Sei es der Streit um den Begriff der Anerkennung oder um die moderne Hirnforschung. Wir, die Arbeitsgruppe Kritische Theorie des Marburger Graduiertenzentrums für Geistes- und Sozialwissenschaften, das Institut für Soziologie und das Institut für Philosophie laden alle Interessierten herzlich ein, sich am letzten Märzwochenende 2011 in Marburg an der Reflexion der Aufgabe Kritischer Theorie zu beteiligen. Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben.








